Registrierung von Christina – nach einem Jahr und fünf Monaten hat es endlich geklappt

Im Juni 2016 haben wir darüber berichtet, dass wir Christina, die offiziell nicht registriert war, anmelden wollten. Wir sind dazu mit der heute 16 jährigen Christina und ihrer Mutter auf das örtliche Bürgermeisteramt gegangen und haben die Registrierung beantragt. Nach einem Jahr und fünf Monaten hat es dann endlich geklappt.

Nach der Antragsstellung fragt man sich, wie lange kann das gehen? Eine Woche oder vielleicht zwei, ein Monat oder ein viertel Jahr? Leider ging es so lange, dass man zwischenzeitlich nicht mehr daran glaubte. Kollegen, die entnervt das Telefonat verweigerten, weil ein Anruf sowieso keinen Wert hätte. Mit einem Jahr und fünf Monaten seien wir noch gut davon gekommen – so wird uns berichtet.

In Rumänien funktioniert die Verwaltung wie ein Kartenspiel: mit einer Dame in der Hand, kann der Bube des anderen Mitspielers geschlagen werden. Wenn man diese Karten oder den Kontakt zu einer Führungskraft in der Verwaltung nicht hat, hilft nur eines: Geduld. Ein Rechtsanpruch interessiert in einer Behörde nur wenig. Viele Bekannte in unserem Umfeld haben in Bezug auf die Verwaltung im Land längst resigniert. Ohne Begleitung wie BuKi sie leistet gehen Elisabeth und Christina in den Mühlen der Verwaltung unter.

Heidi und unsere Kolleginnen im BuKi-Haus haben die Mutter mit ihrer Tochter ins Bürgermeisteramt, zum Notar, ins Krankenhaus und zur Abholung begleitet. Zur Antragstellung und Abholung mussten sie unterschreiben, beide können ihren Namen kaum schreiben – doch darauf haben wir dann gerne gewartet.

Für viele ist bereits die Unterschrift eine große Hürde, vor allem dann, wenn sie ihren Namen nicht schrieben können. Am Schluss hat alles geklappt und wir waren sehr froh darüber.

Unser Facebook-Beitrag vom 16. Juni 2016

Christina, 14 Jahre, exisitiert offiziell gar nicht

Viele Roma werden geboren aber nicht offiziell registriert. Trotz der erheblichen, vor allem sozialen Nachteile, die den Menschen dadaurch entstehen, überwiegt eine tiefe innere Furcht, diesen Schritt auf das Amt zur Registrierung zu begehen.

Im Roma-Viertel sagt man, man würde verhaftet und ins Gefängnis geworfen werden sobald man im Amt die Registrierung vornähme. Dies ist natürlich Humbug – doch Elisabeth ist tief davon überzeugt. Seit Jahren versuchen die örtlichen Sozialarbeiter Elisabeth zur Registrierung zu bewegen, bisher ohne Erfolg.

Elisabeth hat einige Kinder. Unter anderem Christina. Sie besucht zwar nicht die Schule, ist aber gelegentlich bei BuKi in der Betreuung. Auch Christina und die anderen Kinder Elisabeths sind nicht gemeldet. Die Familie bewegt sich wenig außerhalb des Roma-Viertels und dennoch, medizinische Versorgung gibt es für sie nur in Notfällen. Der Besuch bei einem Hausarzt etwa ist damit nicht möglich.

Heidi genießt im Viertel großes Vertrauen. Mit Engelszungen und viel Geduld konnte sie Elisabeth überzeugen, dass ihr mit Heidis Begleitung auf dem Amt nichts passieren würde. Daraufhin fuhren Mutter, Tochter und Heidi zum nahegelegenen Bürgermeisteramt.

Im Dorf kennt man sich. Die Mitarbeiter der Behörde wissen wer Elisabeth ist und umgekehrt. Schließlich begegnet man sich auf der Straße und im Magazin. Um so mehr waren die Beamten überrascht, als Heidi Elisabeth und Christina zur Registrierung dabei hatte.

Geklappt hat es dann trotzdem nicht. Zur Anmeldung ist eine Unterschrift nötig. Mutter und Tochter waren jedoch nicht in der Lage ihren Namen zu schreiben.

Das Bild zeigt nun, wie die Beiden mit Hilfe von Heidi und unseren Betreuern das Schreiben von fünf Buchstaben, nämlich ihren Namen, üben. Ich bin gespannt und hoffe, dass sie es schaffen werden.

By |2018-04-27T15:30:15+00:0015. November 2017|BuKi in Cidreag, Soziale Arbeit|0 Comments

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