BuKi erweitert sein Programm um eine Vorschulgruppe – das ist so wichtig

BuKi gibt Roma-Kindern in Cidreag eine Chance. Wir federn ihre sozialen Hürden ab und begleiten sie in die Schule. Wir verstehen uns dabei wie eine Brücke und unterstützen die Kinder an jenen Stellen, wo sie individuelle Hilfe benötigen.

Zu diesen Hilfen gehören etwa die Sicherung sozialer Grundlagen wie Ernährung, Kleidung und Gesundheit. Die Kinder erhalten bei uns ein Frühstück und einen Mittagstisch; einige Kinder aus prekären Lebenssituation können bei BuKi duschen ebenso werden deren Kleider gerichtet und aufbewahrt. Lebensnahe Bildungseinheiten etwa im Bereich von Ernährung und Kochen, Nähen und Garten sind wichtige Programmpunkte in der Betreuung.

In den vergangenen Jahren haben wir Kinder ab dem Grunschulalter begleitet. Es wird aber immer deutlicher, dass die für eine erfolgreiche Teilnahme in der Schule notwendigen Grundlagen aus der frühkindlichen Entwicklung sowie dem Vorschulbereich nur sehr wenig ausgeprägt sind.

Wir planen deshalb eine Ergänzung unserer bestehenden Gruppe der Kleinen, der Kinder von der 0 – 4 Klasse, um eine Vorschulgruppe.

Trotz Bildungsteilhabe nur geringer Bildungserfolg

Mit BuKi erreichen Roma-Kinder in Cidreag die örtliche Schule – das ist nicht selbstverständlich und ist sicherlich einer unserer Erfolge. Dort angekommen stellen wir fest, dass wir quantitativ die Teilhabe der Roma-Kinder erhöhen. Im Gegensatz dazu sehen wir uns qualitativ, in Bezug auf den Bildungserfolg, mit großen Herausforderungen konfrontiert.

In der Regel scheitern die Kinder bereits in der ersten Klasse, weil ihnen die Grundlagen aus der frühkindlichen Phase sowie dem Besuch eines Kindergartens fehlen. Zu diesen Grundlagen in den Bereichen Denken, Sprechen, Hören, Bewegung, Lebenspraxis, Spielen, soziales Miteinander zählen etwa: das Zuordnen von Fraben, Erkennen von Formen und Buchstaben, oder Benennen von Zahlen; das Schneiden und Falten von Papier, und ob das Kind einen Stift halten kann; die sprachlichen Fähigkeiten, kann das Kind Fragen stellen?

Was passiert nun mit den Kindern in der Schule? Typisch ist, dass die BuKi-Kinder weit abgeschlagen hinter dem Bildungsniveau ihrer entsprechenden Klassenstufe liegen. Das Gelehrte in Mathematik etwa wird nicht verstanden, weil die Grundlagen dazu fehlen. Die Lücken werden von Klasse zu Klasse weitergetragen und nicht geschlossen. D. h. am Ende ist der Bildungserfolg trotz Teilnahme am Unterricht minimal.

Die für Kleinkinder essentiellen und vielfältigen Entwicklungsimpulse sind im slumartigen Lebensumfeld kaum zu finden und werden von den Eltern nicht gefördert. Obwohl ein Kindergarten im Ort vorhanden ist, wird er nur von wenigen Roma-Kindern besucht. Das Fehlen dieser so grundlegenden kindlichen Entwicklungsschritte macht einen erfolgreichen Schulbesuch so gut wie unmöglich.

Darüber hinaus vermuten wir, dass einige unserer Kinder durch die teils krassen Lebensverhältnisse traumatisiert sind oder während der Schwangerschaft geschädigt wurden. Sie werden im aktuellen System überfordert und gehen unter.

Extremer Betreuungsaufwand ist nicht zu finanzieren

Natürlich gibt es Kinder, die außergewöhnlich begabt sind. Sie schaffen den Einstieg in die Schule und den Anschluss an die Klasse spielend. Das ist leider nicht die Regel. Auf die meisten der BuKi-Kinder trifft dies nicht zu. Die Regel ist, dass die BuKi-Kinder weit abgeschlagen vom Niveau der Klasse sind. Damit steigt der Betreuungsaufwand enorm, weil die Kinder individuelle Hilfestellungen benötigen.

Je später Kinder in die pädagogische Betreuung kommen, desto geringer sind deren Chancen alphabetisiert zu werden. An einen erfolgreichen Schulabschluss ist dabei nicht mehr zu denken. Im BuKi-Umfeld wird deutlich, dass bereits Kinder im Grundschulalter ohne pädagogischen Hintergrund faktisch schulunfähig und von BuKi über eine humanitäre Hilfe hinaus nicht mehr zu fördern sind! Die Aufwände, Kinder ohne den vorherigen Besuchs eines Kindergartens pädagogisch zu begleiten, werden extrem und sind nicht mehr zu finanzieren. Die Anzahl der bei BuKi betroffenen Kinder ist dabei relativ hoch.

Ohne vorschulische Begleitung kein Bildungserfolg

BuKi wird das Programm der Kinder von der 0.-4. Klasse um eine Vorschulgruppe erweiteren. Die Einbindung jüngerer Kinder bedeutet auch die Erweiterung der sozialen Dienstleistungen sowie die intensive Zusammenarbeit mit den Familien, besonders aber der Frauen. Das muss konzeptioniert, vor allem aber finanziert werden.