Seit der Gründung von BuKi ist die Einführung einer Eltern-Kind-Gruppe die wichtigste pädagogische Erweiterung.

Wir sind sehr froh, dass wir diesen so wichtigen Schritt nun trotz vieler Hürden gehen können.

BuKi gibt Roma-Kindern in Cidreag eine Chance.

Wir federn ihre sozialen Hürden ab und begleiten sie in die Schule. Wir verstehen uns dabei wie eine Brücke und unterstützen die Kinder an jenen Stellen, wo sie individuelle Hilfe benötigen. Bereits in 2018 haben die ersten konzeptionellen Schritte zu einer Eltern-Kind-Gruppe begonnen, 2019 haben wir Einrichtungen in Deutschland und Rumänien besucht, Workshops mit unseren Mitarbeitern durchgeführt, eine Konzeption dazu erstellt sowie Umbaumaßnahmen in unserem ‚Ovoda‘ dem Kindergarten durchgeführt. Konkret haben wir eine Teeküche und Umkleide im Ovoda eingbaut. Im neu errichteten Gartenhaus steht ein weiterer Raum zum Schlafen, Lesen, Verkleiden und Spielen zur Verfügung.

Vanda, eine Kinderpsychologin als Leiterin der Eltern-Kind-Gruppe

Im vergangenen Jahr gab es immer wieder Verzögerungen und wir sind sehr froh, dass wir trotz Corona jetzt Vanda Reimer, eine Kinderpsychologin, für die Eltern-Kind-Gruppe gewinnen und einstellen konnten. Vanda hat bereits viele Jahre als Koordinatorin in anderen Roma-Projekten gearbeitet und zeichnet sich als hoch qualifizierte Fachfrau aus.

Tanja, eine wichtige Stütze bei der Einführung

Seit über eineinhalb Jahren begleitet uns Tanja Rimmele. Sie ist Kindergärtnerin und hat Erziehungswissenschaften studiert. Für unser Team hat sie im vergangenen Jahr Workshops durchgeführt, hat an der Konzeption mitgewirkt und schaut nun, dass unsere gemeinsamen Ideen aus der Konzeption ihren Platz in der Eltern-Kind-Gruppe finden werden.

Dabei geht es um die Raumgestaltung und -aufteilung, die Auswahl der Materialien, die Tagesabläufe, die pädagogischen Inhalte und die Planung der Elternarbeit. Tanja wird bis Ende November vor Ort sein.

Warum ist die Eltern-Kind-Gruppe im BuKi-Haus so wichtig

Dazu ist ein Blick auf die Bildungssituation und die Rahmenbedingungen der Kinder notwendig. Extreme Niveauunterschiede der Kinder zur Klasse – Quantität vs. Qualität prägen unseren Bildungsalltag. Mit BuKi erreichen die Kinder die Schule – das ist nicht selbstverständlich und ist sicherlich einer unserer Erfolge. Dort angekommen stellen wir fest, dass wir quantitativ die Teilhabe der Roma-Kinder deutlich erhöhen. Im Gegensatz dazu sehen wir uns jedoch qualitativ, in Bezug auf den Bildungserfolg, mit massiven Herausforderungen konfrontiert.

In der Regel liegen die BuKi-Kinder weit abgeschlagen hinter dem Bildungsniveau ihrer entsprechenden Klassenstufe der Schule. Die Kinder werden von Klasse zu Klasse durchgereicht, ohne die oft grundlegenden und massiven Bildungslücken zu schließen. Das in den weiteren Klassenstufen Gelehrte wird nicht verstanden, weil die Grundlagen dazu fehlen. D.h. trotz Teilnahme am Unterricht in der Schule ist der Bildungserfolg nicht befriedigend.

Die Pädagoginnen und Pädagogen der örtlichen Schule sind in einer sehr schwierigen Situation. Sie sollten einerseits den Stoff der Klassenstufe vermitteln, sind aber mit Schülern konfrontiert, von denen jeder auf einem individuellen Niveau steht. Trotz großem individuellem Engagement und großer Empathie ist das kaum zu leisten.

Mögliche Ursache, fehlende Entwicklungsimpulse

Eine Ursache dafür vermuten wir in den desolaten, slumartigen Lebensverhältnissen, mit denen ein Teil unserer Kinder aufwächst. Die für Kleinkinder essentiellen und notwendigen Entwicklungsimpulse sind dort kaum zu finden und werden von den Eltern nicht gefördert. Das Fehlen so grundlegender kindlicher Entwicklungsschritte macht einen erfolgreichen Schulbesuch so gut wie unmöglich.

Gleichzeitig sind einige unserer Kinder durch ihre Lebenssituation traumatisiert. Je früher und nachhaltiger diese Kinder Geborgenheit und ihre meist jungen Eltern Unterstützung erfahren, desto besser ist dies für die Entwicklung der Kinder.

Kinder ohne pädagogische Grundlagen sind faktisch schulunfähig

Je später Kinder in die pädagogische Betreuung kommen, desto geringer sind deren Chancen alphabetisiert zu werden. An eine kontinuierliche Teilnahme im Schulsystem und einen erfolgreichen Schulabschluss ist dabei nicht mehr zu denken. Im BuKi-Umfeld wird deutlich, dass bereits Kinder im Grundschulalter ohne pädagogischen Hintergrund faktisch schulunfähig und von BuKi über eine humanitäre Hilfe hinaus nicht mehr zu unterstützen sind.

Betreuung so früh wie möglich – die Einführung der Eltern-Kind-Gruppe

Um die Chancen auf einen erfolgreichen Schulabschluss und einer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben außerhalb des Roma-Viertels zu erhöhen, etablieren wir nun ein Programm zur frühkindlichen und vorschulischen Betreuung der Kinder. Die Eltern spielen dabei eine Schlüsselrolle. Deshalb ist uns der Aufbau und das Vertrauen der Eltern in unsere Arbeit wichtig. Dies soll über zusätzliche Programme, die speziell auf die Bedürfnisse Eltern abgestimmt, sind erreicht werden.