Lysann Völz, Autorin des Textes, war im Oktober und November 2020 Gast bei BuKi in Cidreag. In ihrem Text ‚Sprachlos‘ beschreibt sie einen Ausschnitt des BuKi-Alltags und was die Armut der Kinder bei ihr auslöste.

Sprachlos

„Viele unserer Kinder wachsen in bitterarmen Lebensverhältnissen auf: ohne Strom, ohne fließendes Wasser, ohne Bad und Toilette – und vor allem ohne Bildung…“ – BuKi

Ich wusste ja was auf mich zukommt. Ich habe die Website durchgelesen, die Bilder auf Instagram gesehen, Noras und Lukas Erzählungen gelauscht.

Aber es ist so anders, so anders vor Ort zu sein und es mit seinen eigenen Augen zu sehen. Diese bitterarmen Lebensverhältnisse.

Ich habe gestern die Kinder, ohne ihren Backround kennengelernt. Einfach nur die Kinder gesehen, die Hausaufgaben machen, die neugierig fragen: „Wer bist du? Wie heißt du?“

Heute sind wir dort hingegangen, wo viele der Kinder wohnen. Im Viertel alias Slum. Fuck. Fuck. Fuck. Das habe ich mir gedacht, als wir zu zehnt in einer Hütte saßen. Das Mädchen was ich am Nachmittag noch in die Luft gewirbelt habe, stellte mir ihre Familienmitglieder vor. Einen Bruder, eine Schwester, die Oma,… Wir saßen in einem sehr kleinen, stickigen, heißen Raum. Die Oma machte sich eine Zigarette an. Dabei aßen die Geschwister. Mir wurde auch Essen angeboten. Ich lehnte dankend ab. Es war dreckig und nur ein kleiner Raum, für vier bis fünf Personen.

Ich saß einfach nur da, reagierte nur noch mit Igen (Ja) und Nem (Nein). Aber in meinem Inneren fragte ich mich: „Wieso? Wieso leben sie in dieser Hütte? Kann man dagegen nichts tun? Wie kann es sein, dass ich in einem Haus mit allem drum und dran aufgewachsen bin und dieses Mädchen hier, also hier aufwächst. Wo ist eigentlich das Bad? Eine Toilette? Wie kann das nur möglich sein? Ich bin im falschen Film.“

Als wir wieder draußen waren, fragten mich Nora und Tanja, ob alles gut sei und, ob ich noch weiter gehen will. So um die acht Kinder standen um uns herum, es wurden immer mehr. Wir standen mitten im Slum. Ich meinte, dass ich gerne noch weiter gehen würde. Ich war stiller als zuvor. Sprachlos.

Aber ich blieb und schaute mich weiter um. Die Kinder je eins an meiner linken und rechten Hand, gingen mit mir weiter, zeigten mir ihre Straße. Wir rannten um die Wette. Wir tanzten sogar und lachten. Das, obwohl diese Lebensverhältnisse absolut nicht zum Lachen sind!!! 🙁

Ich habe heute nur eine kleine Spitze von einem großen großen Eisberg gesehen. Bin ich stark genug für mehr?

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