Humanitäre Lebensmittelhilfen für 17 Familien und knapp 95 Personen, die unmittelbar von Hunger bedroht sind.

Am 11.3.2020 wurde das BuKi-Haus im Rahmen der Corona-Krise geschlossen. Über 40 Kinder besuchten bis dahin täglich unsere Einrichtung, über 20 davon kamen nicht nur zum Mittagstisch, sondern nahmen auch morgens ihr Frühstück zu sich. Doch was geschah nun in den vergangenen drei Wochen mit den Kindern?

Sofort nach der Schließung des BuKi-Hauses haben wir 2 Familien in super prekärer Lebenslage direkt mit Lebensmitteln versorgt. Zu diesem frühen Zeitpunkt waren wir noch persönlich in den Familien und haben mit den Kindern auch Schulübungen gemacht.

Doch bereits wenige Tage später, sollten die Grenzen geschlossen und die sozialen Kontakte mit Hilfe einer Ausgangssperre aufs Nötigste eingeschränkt werden.  Uns blieb nichts anderes übrig, als unsere Betreuung der BuKi-Kinder auf ein Minimum zu beschränken. Unsere Praktikantinnen fuhren zurück nach Deutschland, seitdem sind auch unsere Mitarbeiterinnen beurlaubt. Für BuKi vor Ort ist gegenwärtig Lukas Herfeld, der im Rahmen der Corona-Krise Kontakt zu den Menschen im Viertel pflegt und für uns die Situation einschätzt.

Nach zwei Wochen hat sich die Situation dramatisch verschlechtert

Seit dem die Türen des BuKi-Hauses geschlossen waren, haben wir einige Familien über Lebensmittelgutscheine und dank Lukas über direkte Lebensmittelhilfen unterstützt. Übers Wochenende hat sich die Situation aber nochmals massiv verschlechtert.

Gemeinsam mit einem Mitglied der örtlichen Pfingstgemeinde hat Lukas verschiedene Familien im Viertel besucht.

Fast immer waren die Lebensmittelvorräte komplett aufgebraucht. Das ist bitter, vor allem wenn man sieht, dass auch Kinder unmittelbar vom Hunger betroffen sind. Viele der Eltern waren erschöpft und völlig verzweifelt.

Das konnten wir so nicht mehr stehen lassen, das war der Punkt, an dem wir handeln mussten!

BuKi startet rein humanitäre Lebensmittelhilfen – das Ende ist heute noch nicht abzusehen.

Wir werden nun am Mittwoch, den 1.4., mit Lebensmittelhilfen für die betroffenen Familien starten. Über einen Lebensmittelhändler werden wir Grundnahrungsmittel bestellen, im BuKi-Haus in Tüten abpacken und nachmittags an die Familien verteilen. Diese Verteilung soll zunächst zwei Mal in der Woche für die 17 Familien mit knapp 95 Personen stattfinden.

Dabei richteten wir unseren Blick auch auf Familien, die nicht im BuKi-Programm sind. Es geht darum Menschen vor Hunger zu schützen. So versorgen wir Erwachsene, alte Menschen und natürlich auch Kinder mit dieser Lebensmittelhilfe.

Dabei gelten bei diesem Hilfseinsatz für BuKi strenge Corona-Auflagen: damit es keine Traubenbildung vor dem BuKi-Haus gibt, dürfen die Familien nicht ins BuKi-Haus kommen, wir müssen die Pakete liefern; wir schützen unsere KollegInnen mit Handschuhen und Mundschutz vor Erregern.

Lebenmittelnothilfen gestartet

Erste Lebensmittelhilfen an notleidende Familien übergeben.

Warum trifft die Corona-Krise die Roma in Cidreag besonders schwer?

Viele Roma im Viertel arbeiten als Tagelöhner bei den örtlichen Bauern auf den Feldern. Dort gibt es gerade jetzt im Frühjahr viel zu tun, denn die Erdbeerfelder müssen für die Ernte im Mai vorbereitet werden. Doch im Zuge der Krise können die Bauern keine Tagelöhner anstellen und den Menschen fehlt dadurch das Geld, um sich zu versorgen. Auch Der Busverkehr von Cidreag nach Satu Mare wurde stark eingeschränkt. Viele Firmen in Satu Mare haben ihre Produktion stark reduziert.

Gleichzeitig ist die Verunsicherung im Viertel groß. Die Polizei kontrolliert regelmäßig, ob die Ausgangssperre eingehalten wird. Trotz vieler Informationsgespräche wissen die Menschen nicht, wie sie sich in der Krise korrekt verhalten sollen.

Rumänien ist das Land der Formulare. Um etwa zum Einkaufen oder zur Arbeit zu gehen – was ausdrücklich erlaubt ist – muss dazu ein neugeschaffenes Formular in rumänischer Sprache ausgefüllt werden.

Die Mehrzahl der Menschen, kann weder die rumänische Sprache, noch lesen und schreiben. In den Familien gibt es kein Papier und auch keinen Stift. Einige Personen haben bereits drastische Strafen erhalten. Es kollidieren mal wieder (Lebens-)Welten und es wundert keinen, dass es an der Schnittstelle Ärger gibt.